Palliativ-Team des Alten- und Pflegeheims verringert Krankenhauseinweisungen
Was 2018 als Modellprojekt im Wohnstift Hanau begonnen wurde, wird heute in allen 13 Einrichtungen der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises (APZ-MKK) angeboten. Das damals gegründete Expertenteam Palliative Pflege (EPP), hat seit 2018 viel Lob für ihr Engagement in der palliativen Begleitung der ihnen anvertrauten Menschen erhalten.
Vor einigen Wochen fand nun sogar ein fachlicher Austausch mit einer Delegation des DRK Kreisverbands Stralsund-Rügen statt. Ziel des Besuchs war es, von den Erfahrungen des etablierten EPP-Teams zu lernen, um ein ähnliches Modell auf der Insel Rügen zu implementieren.
Der erste Kontakt zwischen dem DRK Kreisverband Stralsund-Rügen und dem EPP-Team entstand auf einem Altenpflegekongress in Hamburg, wo Silvia Fuß, Fachbereichsleiterin des EPP Teams, das Modell präsentiert hatte. Die dort gewonnenen Eindrücke führten zur Entscheidung des DRK-Kreisverbands, ein eigenes EPP-Team aufzubauen. Um wertvolle Impulse für die Umsetzung zu sammeln, wurde kürzlich die Hospitation im Main-Kinzig-Kreis organisiert.
Steigendes Lebensalter aus Ausgangspunkt
Das steigende Lebensalter sorgt dafür, dass der Wechsel in eine Pflegeeinrichtung meist das letzte Mittel ist, wenn die Pflege zuhause nicht mehr bewältigt werden kann. Dadurch ist der Pflegeaufwand dort mittlerweile mit dem in Hospizen vergleichbar, mit dem Unterschied, dass im Hospiz bis zu viermal mehr Personal eingesetzt wird. Das führt zu einer Überlastung der Pflegekräfte, Konflikten in der Zusammenarbeit zwischen Pflege und behandelnden Ärzten und häufigen Klinikeinweisungen durch die Notärzte und Rettungsdienste.
Ein Expertenteam unterstützt

Abbildung 1: Fachbereichsleiterin EPP, Silvia Fuß
Um Menschen in der letzten Lebensphase entsprechend ihrer Wünsche und Bedürfnisse zu versorgen und vermeidbare Einweisungen ins Krankenhaus zu vermeiden, setzen die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises daher auf ein eigenes Modell mit Vorbildcharakter: ein Expertenteam Palliative Pflege (kurz: EPP-Team). Es betreut gezielt Bewohnerinnen und Bewohner in allen Einrichtungen des Trägers, bei denen es nicht mehr um die körperliche Aktivierung geht, sondern darum, am Lebensende die Lebensqualität zu verbessern sowie Schmerzen und Ängste zu lindern
Eine Besonderheit des EPP-Teams ist laut Teamleiterin Silvia Fuß, dass alle Teammitglieder eine Weiterbildung zur Palliative Care-Fachkraft erhalten haben. Außerdem sei das Team so organisiert, dass es unabhängig von der regulären Pflege arbeite und telefonisch rund um die Uhr erreichbar sei. Für die Mitarbeitenden ergibt sich dadurch die Möglichkeit, in Krisensituationen das EPP-Team zu kontaktieren und den weiteren Ablauf zu besprechen, anstatt einen Notruf abzusetzen. Das Modell wurde nach zwei Jahren auch auf Einrichtungen des Trägers im ländlichen Raum ausgerollt.
Im Ergebnis hat sich die palliative Versorgung seitdem signifikant verbessert, Klinikeinweisungen konnten deutlich reduziert werden.
Die Aufgabe des EPP-Teams ist es, schwerstkranke Bewohner*innen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und diese Zeit – gemeinsam mit ihnen, ihren Angehörigen und den Pflegekräften – gut zu gestalten. Das EPP-Team koordiniert dabei alle Maßnahmen, die für die Betreuung in der letzten Lebensphase notwendig sind. Jedes Teammitglied hat eine Palliativ-Care-Ausbildung. Das EPP-Team erfasst die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohner*innen, stimmt ärztlicherseits die zu erwartenden Symptome und die entsprechenden Maßnahmen ab und kommuniziert diese. Außerhalb des Stations-Dienstes innerhalb der Einrichtung, sind sie mit ihrem fachlichen Rat rund um die Uhr telefonisch erreichbar.
Ziel aller vom EPP-Team geplanten Maßnahmen und Therapieformen, die mit den behandelnden Ärzten und dem Pflegeteam vor Ort engmaschig abgesprochen werden, ist es, dass niemand unter Vereinsamung, Schmerzen und Ängsten leiden muss. „24-Stunden-Erreichbarkeit für die Kolleg*innen in der Pflege, wie auch für die behandelnden Hausärzte, hohe Empathie und Fachlichkeit und die absolute Unabhängigkeit vom regulären Dienstbetrieb, haben einige Lücken überbrückt, welche durch den immer fordernder werdenden Pflegealltag aufreißen. Das sind die drei Kernfaktoren für den Erfolg des EPP-Teams.“, so die Fachärztin für Allgemein- und Palliativmedizin und Vorsitzende des Vereins Palliative Patientenhilfe Hanau e.V., Dr. Maria Haas-Weber.
Finanzierung mit Vereinsunterstützung
Der Verein Palliative Patientenhilfe Hanau e.V. kooperiert mit den APZ-MKK seit vielen Jahren und in unterschiedlichen Projekten, um die Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase in der Region zu verbessern. „Ohne die Unterstützung des Vereins, wäre es den APZ-MKK nicht möglich gewesen, dass Projekt EPP-Team vor zwei Jahren im Wohnstift zu starten.“, erklärte Geschäftsführer Bien und bedankte sich für die Unterstützung durch den Verein. So hat der Förderverein die Umsetzung des EPP-Teams im Wohnstift Hanau finanziell mit rund 261.000 Euro gefördert. Dies entspricht 80 Prozent der Gesamtkosten des auf zwei Jahre angelegten Projektes in Höhe von rund 326.000 Euro. Von diesem Engagement profitieren jetzt alle 12 Einrichtungen des Kreises.
Bei den Pflegesatzverhandlungen, haben die Alten- und Pflegzentren eine Vereinbarung für besondere Leistungen zur Sterbebegleitung und zu Palliativ-Care abgeschlossen, die es ihnen ermöglicht, zusätzliche Palliativ-Care-Fachkräfte einzustellen. Das EPP-Team hat seinen Sitz an einem Standort und kommt von dort aus in allen 13 Einrichtungen des Kreises zum Einsatz.