Zahnärztliche Behandlung in der palliativen Versorgung
Palliativpatienten leiden häufig unter belastenden oralen Symptomen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Sarah Uhlig, Zahnärztin und Begleiterin von Palliativpatient:innen am Helios Klinikum Bad Saarow, hat in einer Studie die Bedeutung der regelmäßigen zahnärztlichen Behandlung in der palliativen Versorgung untersucht.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die zahnärztliche Betreuung als festen Bestandteil der palliativen Komplexbehandlung zu etablieren.
Seit zwei Jahren behandelt Zahnärztin Sarah Uhlig neben ihrer Praxistätigkeit auch die Patient:innen der Palliativstation im Bad Saarower Klinikum mit kleinen, aber wirkungsvollen Interventionen – wie der Entfernung von Druckstellen, der Unterfütterung von Prothesen, Zahnextraktionen, der Wiederbefestigung von Kronen sowie Beratungen zu Mundschleimhauterkrankungen und Mundhygiene. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Lebensqualität der Patient:innen nachhaltig zu verbessern.

© Thomas Oberländer
Weil es an ausreichend Studien in diesem Themenfeld fehlt, sammelte Sarah Uhlig über einen Zeitraum von 8 Monaten konkrete Forschungsdaten aus 103 Fällen, davon 48,5% Frauen. Ziel der Studie war es, die Auswirkungen der Einbeziehung von Zahnärzten in die stationäre Palliativpflege zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Lebensqualität und der Linderung der Symptombelastung liegt.
Im Ergebnis lag die mittlere Dauer des letzten Zahnarztbesuches 1 Jahr zurück. Der Zahnzustand bei Erstuntersuchung wird als trostlos bezeichnet. Bei der Nachuntersuchung, eine Woche später, wurden statistisch und klinisch signifikante Veränderungen der oralen Lebensqualität und der Symptombelastung beobachtet. Bemerkenswerte Veränderungen wurden bei klebrigem Speichel, Empfindlichkeit gegenüber Speisen und Getränken, Mundschmerzen und schlecht sitzendem Zahnersatz festgestellt. Weitere Verbesserungen ergaben sich bei entzündeter Schleimhaut und Pilzinfektionen in der Mundhöhle.
Die positiven Rückmeldungen der Patienten und des Pflegepersonals bestärken mich darin, dass wir mit diesen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten.

Sarah Uhlig, Zahnärztin | Helios Klinikum Bad Saarow
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sollten Strukturen schaffen, um eine kontinuierliche zahnärztliche Versorgung sicherzustellen. Schulungsprogramme für Pflegekräfte und Ärzt:innen sind ebenfalls essenziell, um die Bedeutung der oralen Gesundheit in der palliativen Pflege zu vermitteln und die Versorgung zu verbessern.
Integration in die palliative Versorgung
Die Verfasser der Studie schlussfolgern: Die Studie hebt den starken Beitrag der Integration eines Zahnarztes in die stationäre Palliativversorgung hervor. Mit sehr wenig zahnärztlichem Aufwand und einfachen Behandlungen auf der Station und am Krankenbett können signifikante Verbesserungen der oralen Symptombelastung von kritisch kranken Palliativpatienten erreicht werden. Dies trägt zu einem verbesserten Pflegestatus, zur Linderung von belastenden Symptomen und letztendlich zu einer verbesserten Lebensqualität bei.
Hier gehts zur Studie:
Uhlig S, Doberschütz F, Hallmann F, Salm H, Sigle JM, Pink D. Exploring the integration of dentistry within a multidisciplinary palliative care team: does bedside dental care improve quality of life and symptom burden in inpatient palliative care patients? Support Care Cancer. 2024 Jul 8;32(8):491. doi: 10.1007/s00520-024-08671-4. PMID: 38976073; PMCID: PMC11231016.